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Tomatenzüchter Alexander W. Livingston

Alexander W. Livingston, Vater der modernen Tomatenindustrie

Alexander W. Livingston

Alexander W. Livingston, geboren 1821 in Reynoldsburg, Ohio, war ein amerikanischer Tomatenzüchter, der im 19. Jahrhundert etwa 16 Tomatensorten zur Marktreife brachte.

Das Unternehmensziel Livingstons war im Grunde identisch mit den heutigen Zielen der Tomatenzüchter: Er wollte die perfekte Handelstomate erschaffen. Die Früchte sollten ein einheitliches Erscheinungsbild vorweisen, robust und transportabel sein. Guter Geschmack war Livingston auch wichtig – das unterscheidet ihn dann doch von manch heutigen kommerziellen Anbauern.

Livingstons Weg

Um seine Ziele zu erreichen, hatte Alexander W. Livingston einen unüblichen Weg eingeschlagen. Anfänglich kreuzte auch er bewährte Tomatensorten auf traditionelle Art. Aber diese Methode war unsicher, ja geradezu erfolglos. Er fand innerhalb seiner Kreuzungslinien keine Tomaten, die seinen Kriterien entsprachen.

Daraufhin suchte er in seinen großen Tomatenfeldern nach Pflanzen und Früchten, die sich von den eigentlich homogenen Sorten deutlich unterschieden. Diese fremdbestäubten Tomaten stabilisierte und kultivierte Livingston und verkaufte die so entstandenen Sorten über sein Saatgutunternehmen „The Buckeye Garden Seed Company“.

Amerika um 1880 und die Dosensuppe

Livingston lebte und arbeitete in einer Zeit des enormen Wandels.

Die komplette Erschließung und Besiedelung des amerikanischen Kontinents sowie der Ausbau der transkontinentalen Eisenbahnlinien führten zu einer boomenden Industrie. Und die Masseneinwanderung schaffte einen riesigen Binnenmarkt, der insbesondere die Lebensmittelindustrie geradezu explodieren ließ. Schließlich wollten all die Menschen ernährt werden.

Besonders beliebt waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts Tomatensäfte und Suppen aus der Dose.

Auch andere Tomatenprodukte fanden reisenden Absatz. So entwickelte die H. J. Heinz Company im Jahre 1876 ihr erstes Tomatenketchup, das damals schon den Namen Heinz Ketchup trug. Noch im gleichen Jahr wurde das Produkt auf der ersten Weltausstellung in Philadelphia der Öffentlichkeit vorgestellt.

Für ihre Produktion benötigte die Tomatenindustrie homogene, ertragreiche und gut zu verarbeitende Früchte.

Somit hatte Alexander W. Livingston zur rechten Zeit die richtige Nase und konnte der Industrie Tomatensorten mit den geforderten Eigenschaften anbieten.

Heute gilt er als Pionier der modernen Tomate und Vater der amerikanischen Tomatenindustrie.

Livingston-Tomatensorten

Viele der Livingston-Tomatensorten sind ausgestorben, zumindest aber verschollen. Andere waren vergessen und wurden in den vergangen Jahren neu entdeckt.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1898 brachte Livingston folgende Sorten zur Marktreife:

1870 – Paragon
1875 – Acme (verschollen?)
1880 – Perfection
1882 – Golden Queen
1883 – Favorite
1886 – Beauty
1887 – Potato Leaf
1889 – Stone
1892 – Gold Ball
1892 – Royal Red (verschollen)
1893 – Aristocrat (verschollen)
1893 – Buckeye State
1893 – Large Rose Peach (verschollen)
1897 – Globe
1897 – Honor Bright (Lutescent)
1898 – Dwarf Yellow Prince (verschollen)

Eine Liste der gesamten, jemals entwickelten Livingston-Sorten findet man hier.

Livingston’s Saatgutkatalog 1897

In den Tiefen des Internets haben wir ein ganz besonderes Schmankerl ausgegraben: Eine Online-Ausgabe des Livington’s Saatgutkatalogs aus dem Jahre 1897.

Es ist wirklich sehr interessant, was zu jener Zeit in den amerikanischen Gärten angebaut wurde. Gerade für unsere Recherchen über historische Tomatensorten sind solch Kataloge ungemein wertvoll.

Viel Spaß beim Blättern. Übrigens: Auf der letzten Seite ist eine schöne Grafik mit den bis zum Erscheinungsjahr aktuellen Livingston-Tomatensorten abgedruckt.

Buch „Livingston and the tomato“

Dem belesenen Tomatenfreund, der sich vor englischsprachiger Literatur nicht scheut, möchten wir das von Alexander W. Livingston selbst verfasste Buch Livingston and the tomato* ans Herz legen. Das autobiografische Werk ist im Jahre 1893 erschienen und wurden damals den Saatgutbestellungen beigelegt. Die hier vorgestellte Ausgabe beinhaltet neben Livingstons Biografie und seinen Pflegeanleitungen auch weitere wirklich schöne Abbildungen historischer Saatgutkataloge aus dem Hause Livingston.

Unser Livingston-Anbau in 2017

In der Saison 2017 hatten wir einige Livingston-Sorten aus verschieden Quellen mit mäßigem Erfolg angebaut. Umso mehr freuen wir uns, dank einer Spende einer befreundeten Tomatenliebhaberin, mit Saatgut der Victory Seeds Company neu durchstarten zu können.

Alexander W. Livingstons Tomaten in 2018

Somit sind wir seit Januar 2018 stolze Besitzer von Livingston-Saatgut der Firma Victory Seeds, USA. Dieses Unternehmen versucht, das Erbe Alexander W. Livingstons zu erhalten und die vergessenen Tomatensorten ein zweites Mal in Umlauf zu bringen.

In der Tomatensaison 2018 konnten acht Livingston-Sorten aus neuer Quelle anbauen und dokumentieren. Wie erfolgreich wir waren, ist hier nachzulesen.

Die Livingston-Saison 2019

Im Jahr 2019 sind weitere Sorten aus dieser Quelle geplant. Wer möchte, kann unseren Anbau verfolgen.

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