Rutgers Jubiläumssaatgut

 

Stammbaum Rutgers-Tomate

Vielen Tomatenliebhabern ist die Sorte Rutgers ein Begriff. Obwohl um 1930 als kommerzielle Fleischtomate für eine florierende Tomatenindustrie entwickelt, schaffte diese Tomate den Sprung in die amerikanischen Hausgärten und erfreute sich außergewöhnlicher Beliebtheit. Nachvollziehbar, wenn man einen Blick auf den Stammbaum wirft.

Rutgers ist eine Tomatensorte mit Geschichte, die wir hier gerne erzählen wollen.

Um 1900 boomte in den USA die industrielle Herstellung von Tomatensuppen und -säften. Der US-Bundesstaat New Jersey war eine jener Hochburgen, die von der Konservenindustrie und somit auch vom landwirtschaftlichen Tomatenanbau geprägt waren.

Und wie heutzutage wollte auch vor 120 Jahren die Industrie bedient werden.

So wurde bereits 1880 der altehrwürdigen Rutgers University of New Jersey eine landwirtschaftliche Forschungsabteilung angegliedert, die als Schnittstelle zwischen Landwirten und Industrie fungierte. Hier entwickelte man chemische Mittel gegen Wildkräuter und Schadinsekten und schulte die örtlichen Landwirte in der Anwendung der neuen Produkte. Ein weiteres Aufgabengebiet bestand in der Züchtung neuer Tomatensorten, die in enger Zusammenarbeit mit den Suppenfabrikanten stattfand.

Eine besonders fruchtbare Kooperation herrschte zwischen dem Institut und der Campbell Soup Company. Während der Suppenhersteller die eigentlichen Sortenkreuzungen durchführte, selektierten Mitarbeiter der Rutgers-Universität unter Federführung von Lyman Schermerhorn die Pflanzen nach den Ansprüchen der Industrie.

Auf diesem Wege entstand die bekannte rote Fleischtomate, die 1934 zur Marktreife gelangte. Getauft wurde sie auf den Namen der Universität: Rutgers.

Obwohl die Rutgers-Tomate nach den Wünschen und Anforderungen der Dosensuppenindustrie entwickelt wurde, fand diese kommerzielle Tomatensorte den Weg in die Gärten und wurde zu einer der beliebtesten Sorten Nordamerikas.

Bis 1951 kümmerten sich Mitarbeiter der Fakultät um den Anbau der Rutgers-Tomate direkt an der Rutgers-University. Dann wurde jedoch die Produktion eingestellt. Die ursprüngliche Rutgers-Tomate ging der Universität unwiderbringlich verloren.

Nichtsdestotrotz sind heute noch viele Sorten unter den Namen Rutgers im Umlauf. Ob eine Varietät davon tatsächlich die ursprünglichen Gene besitzt, ist nicht bekannt.

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb sich die Rutgers-Universität in den letzten Jahren verstärkt darum bemüht, die originale Tomate neu zu entdecken.

Jedenfalls startete die Rutgers-Universität diesbezüglich ein Forschungsprojekt, in welches auch die Campbell Soup Company involviert war. Im Rahmen des Projektes öffnete anno 2010  der amerikanische Suppenhersteller die historische Saatgutsammlung des Unternehmens. In dieser Sammlung befanden sich klimatisierte Tomatensamen der Rutgers Elternsorten Marglobe und J.D.T..

Man mag sich nun fragen, ob denn im Samentresor der Campbell Soup Company kein Rutgers-Tomatensaatgut gelagert ist. Immerhin war die Rutgers-Tomate ein wesentlicher Teil der Suppenproduktion in den 1940er Jahren. Viel Platz braucht es für ein paar Körnchen Tomatensamen nicht und wenn man die Elternsorten archiviert, warum dann nicht auch das berühmte Kind?

Wie dem auch sei. Jedenfalls machten sich die Forscher daran, die beiden Elternsorten erneut zu kreuzen und die entstandenen Tomatenpflanzen nochmals nach den Kriterien der ursprünglichen Rutgers-Tomate zu selektieren.

Drei Erfolg versprechende Linien dieser Kreuzung wurden 2016 im Rahmen der Festlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der Universität als Jubiläumssaatgut vorgestellt:

Rutgers 250 bio
Rutgers 250 kommerziell
Rutgers 250 Schermerhorn

Und wer weiß: Vielleicht sind die neuen Rutgers-250-Sorten ja noch besser als die originale Rutgers-Tomate.

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