Beitrag enthält Affiliatelinks*

Livingston’s Magnus –  ausgemustert und vergessen

Magnus im Braunfäulejahr 2021
Magnus im Braunfäulejahr 21

Die kartoffelblättrige pinkfarbene Fleischtomate Magnus wurde 1900, zwei Jahre nach A.W. Livingstons Tod, von der Livingston Seed Company auf den Markt gebracht. Im damaligen Saatgutkatalog wurde Magnus als sehr gleichmäßig wachsende, große, attraktive, platzfeste Tomate mit perfekter Form und festem Fruchtfleisch beworben.

Leider hatten die amerikanischen Saatgutfirmen im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Tomatensorte aus dem Sortiment genommen. Fortan war Magnus für die privaten Kleingärtner nicht mehr erhältlich.

Vom Finden und Suchen

Dass wir heute Livingston’s Magnus doch wieder anbauen können, haben wir den amerikanischen Tomatenfans Carolyn Male und Craig LeHoullier zu verdanken.

Craig LeHoullier beschreibt in seinem Buch Epic Tomatoes* ausführlich, wie es zu der Wiederentdeckung der Tomatensorte kam:

Während eines Kongresses in Hampshire entdeckte Craig in einem Antiquariat einen Saatgutkatalog der Firma Livingston Seed Company aus dem Jahre 1900. Das Titelbild dieses Kataloges zeigte eine pinkfarbene und kartoffelblättrige Tomatensorte namens Magnus. Da sowohl pinkfarbene als auch kartoffelblättrige Tomaten um 1900 extrem selten waren, weckte das Bild die Neugier Craigs auf diese Tomate Magnus.

Wer nun ebenfalls neugierig geworden ist und den Katalog anschauen möchte: Voilà, hier ist er:

Saatgutkatalog der Firma Livingston aus dem Jahre 1900

Die Wiederentdeckung der Tomate Magnus

In den folgenden Jahren suchte Craig vergeblich nach der Magnus-Tomate. Eigentlich hatte er schon nicht mehr an einen Erfolg geglaubt, als er von der Existenz des amerikanischen Saatgutarchivs USDA und der Möglichkeit, in deren Datenbank zu recherchieren, Kenntnis nahm.

Nach vielen Suchvorgängen entdeckte Craig eine Saatgutspende aus den 1940er Jahren an die USDA, welche einige originale Livingston-Sorten beinhaltete. Unter anderem auch die lange gesuchte Tomate Magnus.

Auf seine Saatgutanfrage erhielt Craig  eine große Anzahl an Samen, es waren wohl an die 100 Stück, zugesandt.

Er teilte sich das Saatgut mit Carolyn Male und beide säten die mehr als 50 Jahre alten Tomatensamen aus. Selbstverständlich war die Keimquote miserabel. Craigs Anteil des Saatguts brachte einen einzigen Keimling hervor – und dieser war normalblättrig.

Carolyn Males Keimquote war exakt genauso so mies. Aber ihr Keimling war kartoffelblättrig. Carolyn Male, übrigens Autorin des sehr beliebten Buches 100 Heirloom Tomatoes for the American Garden*, verpackte die kleine Tomatenpflanze und übersandte sie an Craig LeHoullier, der die Magnus-Tomate in seinem Garten auspflanzte.

Die Tomate wuchs gut und die Früchte reiften zu hübschen, fast runden, mittelgroßen, pinkfarbenen und hocharomatischen Fleischtomaten.

Das gewonnene Saatgut stellte Craig der Öffentlichkeit zur Verfügung, sodass Magnus, die Tomatensorte, die eigentlich schon verloren war, seit 1994 wieder angebaut werden kann.

Danke, Carolyn Male und Craig LeHoullier, für dieses Engagement.

Unsere Anbauerfahrungen

Wir hatten in der Saison 2017 Livingston’s Magnus im Anbau und unsere Früchte passten zu den obigen Beschreibungen.

Leider haben wir in  2017 die Bilddokumentation stark vernachlässigt. So können wir an dieser Stelle gar nichts von der leckeren Magnus zeigen.

Gut, dass wir 2019 Livingston’s Magnus erneut anbauen werden, und zwar mit Saatgut der amerikanischen Firma Victory Seeds. Dann kommen auch Bilder.

3 Kommentare, RSS-Feed

  • Mach ich doch gerne wenn es soweit ist.
    Gruß Klaus

  • Hallo Klaus,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und Dein Engagement, historische Tomatensorten zu erhalten. Erzähl doch noch mal zur Erntezeit, wie Dir die Sorte Magnus schmeckt. Ich würde mich über Deinen Erfahrungsbericht sehr freuen.

    Herzliche Grüße ins Ländle
    Maja

  • Hallo,
    sehr schöne und interessante HP.
    Ich habe dieses Jahr auch die Magnus im Anbau und bin gespannt wie die Früchte werden. Ich werde wenn die Sorte gut ist auf jeden Fall das Saatgut vermehren und anderen zur Verfügung stellen. Solche historischen Sorten sollten nicht irgendwo im Nirvana verschwinden.
    Gruss Klaus

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.