Fremdbestäubung vermeiden

 

Was hat die Futtersuche der Wildbienen mit verkreuztem Saatgut zu tun?

Purple Calabash
Blüte der Sorte Purple Calabash
Ananastomate
Blüte der Ananastomate

Schaut man sich die Blüten einzelner Tomatensorten näher an, fällt auf, dass bei manchen Blüten ein Teil des Griffels sowie die Narbe aus dem Staubbeutel herausragen.

Verbeißt sich eine bereits pollenverklebte Hummel an solch einer Blüte, so ist die Gefahr groß, dass der Pollen einer anderen Sorte in die Narbe dieser Blüte gelangt. Und mehr braucht es nicht für eine Fremdbestäubung.

Für den Wuchs und den Geschmack der Tomatenfrucht ist die Herkunft des Pollens unerheblich. Problematisch wird es nur, wenn fremdbestäubte Tomatenfrüchte für die Saatgutvermehrung verwendet werden.

Was also tun?

Verhindern kann man diese unerwünschte Verkreuzung, indem man entweder die gesamte Pflanze oder aber einzelne Blütenrispen isoliert.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. In Gewächshäusern besteht die Möglichkeit, Fenster und Türen mit Fliegenschutznetzen zu sichern. Für Freilandpflanzen bietet der Fachhandel Produkte an, die wie ein Käfig über die gesamte Pflanze gestülpt werden.

verhüllte Blütenrispe
verhüllte Blütensrispe

Doch im Grunde reicht es vollkommen aus, einzelne noch verschlossene Blütenstände zu verhüllen. Unter Regendach funktionieren Reinraumhauben, wie sie in Krankenhäusern oder Industrie Verwendung finden, ganz gut. Für einzelne Blüten können auch Teebeutel oder Nylonstrümpfe verwendet werden.

Keinesfalls darf vergessen werden, täglich die Befruchtung der isolierten Pflanzen durch leichtes Schütteln zu unterstützen. Ideal sind hierfür die Vormittagsstunden, da zu dem Zeitpunkt das Zusammenspiel zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Befruchtung begünstigt.

Die Schutzhülle sollte erst abgenommen werden, wenn die Fruchtansätze erkennbar sind. Sollten sich noch Blüten an der Rispe befinden, diese bitte entfernen. Jetzt noch die Rispe mit einer farbigen Schnur oder einer Wäscheklammer markieren und die Tomaten gut ausreifen lassen, ehe das nunmehr sortenreine Saatgut geerntet wird.

Schlussendlich aber doch noch ein paar kritische Anmerkungen. Das Verhüllen einzelner Blüten oder Pflanzen ist eine Methode, die, ordentlich angewandt, funktioniert und sortenreines Saatgut liefert. Für den Freizeitgärtner auch vollkommen ausreichend.

Um eine Sorte mit den ganz spezifischen Merkmalen zu erhalten, genügt diese Vorgehensweise auf Dauer aber nicht. Hierfür müssen viele, mindestens aber zehn, Pflanzen der zu vermehrenden Sorte isoliert oder in Alleinstellung angebaut werden. Dann erst hat man die Möglichkeit, sich als Saatgutträger die Pflanzen und Früchte herauszusuchen, die dem Ideal der Sorte entsprechen.

Lesen Sie auch
Teil 1: Stabiles und instabiles Saatgut
Teil 2: Fremdbestäubung durch Insekten
Teil 3: Fremdbestäubung vermeiden

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