Marmande

Fleischtomate Marmande

Man mag es kaum glauben, aber die wunderbare Fleischtomate Marmande haben wir der nordamerikanischen Reblaus zu verdanken. Kein Witz!

Um 1863 wurden von der Ostküste Amerikas Weinstöcke inklusive der ungebetenen Gäste nach London verschifft. Schnell ging die Reise der kleinen Insekten weiter in das südliche Frankreich. Die Rebläuse verbreiteten sich invasionsartig in nahezu sämtlichen europäischen Weinbaugebieten und richteten verheerende Schäden an.

Frankreich war als traditionelles Weinland besonders schwer von der Reblausplage betroffen. Viele Winzerorte hatten den Totalverlust ihrer Weinstöcke zu beklagen.

Genau dieses Schicksal erlitt das südwestfranzösische Weinbaustädtchen Marmande. Wohl wissend, dass Neuanpflanzungen der Weinberge Jahre brauchen, bis wirtschaftlich relevante Traubenernten eingefahren werden können, suchten die Landwirte der französischen Stadt nach Alternativen zum Weinbau.

Die Bauern hatten Glück, denn es hatte sich bis nach Frankreich herumgesprochen, dass in anderen Ländern die ursprünglich als ungenießbar geltenden Tomaten ohne bleibende Schäden genossen wurden. Auch die eigenen Landsleute legten ihre Vorbehalte gegen die hübschen Liebesäpfel immer mehr ab.

So war die Alternative schnell gefunden. In Marmande wurden ab dato die Rebläuse ausgehungert und anstelle von Trauben Tomaten gepflanzt.

Der heimische Tomatenzüchter Pierre Gautriaud erkannte früh die Zeichen der Zeit und selektierte die angebauten Früchte hinsichtlich des nunmehr geforderten kommerziellen Anbaus. So legte er den Grundstein dafür, dass sich der Ort Marmande zu einem bedeutenden Tomatenzentrum entwickeln konnte.

roter Fleischkern einer Marmande-Tomate

Bei der Sorte Marmande handelt es sich um gerippte, flachrunde, rote Fleischtomaten von etwa 200 bis 300 Gramm. Auffällig und typisch ist der rote Fleischkern im Inneren der Tomate, der sich deutlich zeigt, wenn die Frucht aufgeschnitten wird.

Die Früchte wachsen an an gegenständigen Rispen. Die halbhohen, normalblättrigen Tomatenstöcke können problemlos mehrtriebig gezogen werden.

Mit einer Reifezeit von etwa 70 Tagen zählt Marmande zu einer der wenigen frühen Fleischtomatensorten. Dies trägt dazu bei, dass die Sorte auch bei kühlerer Witterung einen ordentlichen Ertrag liefert. Gleichwohl bevorzugt Marmande wie alle anderen Tomaten sonniges und warmes Wetter.

Geschmacklich kann die Sorte mit einem saftigen, mild-würzigen Tomatenaroma ebenfalls punkten, sodass sich zusammenfassend sagen lässt: Mit Marmande kann nicht viel schief gehen.

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